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Tren de Sóller – Der rote Blitz von Sóller nach Palma

18.01.2019 | Leben auf Mallorca
Tren de Sóller – der rote Blitz

Tren de Sóller – der rote Blitz

Man muss kein Eisenbahnfan sein, um dem einnehmenden Charme dieser nostalgischen Bahn zu erliegen: der Tren de Sóller – eine historische Schmalspurbahn.


Der Tren de Sóller ("Der rote Blitz") ist eine historische Schmalspurbahn, die auf einer reizvollen Strecke von Palma de Mallorca nach Sóller verkehrt. Auf den 27 Kilometern schlängelt sich die Eisenbahn durch prächtige Landschaften, herrliche Wälder und Gebirge. Ein Reiseerlebnis der bewegten Art.


Nicht rot und auch nicht schnell

Wie die Bahn an ihren Namen "Der rote Blitz" gekommen ist, darüber streiten sich die Geister. Jedenfalls sind die Wagen nicht rot und von einer rasanten Geschwindigkeit ist der Zug ziemlich weit entfernt: für gewöhnlich zockelt die Bahn mit deutlich unter 30 km/h durch die beschauliche Landschaft. Längst nämlich dient der Tren de Sóller weniger als Verkehrsmittel, sondern vielmehr als beeindruckendes Inselerlebnis, das während der rund einstündigen Fahrt einen Ausschnitt des Zaubers Mallorcas offenbart.


Mehr als einhundert Jahre alt

Über einhundert Jahre ist der Tren de Sóller inzwischen alt. 1912 startete die auch als Ferrocarril de Sóller bekannte Eisenbahnlinie ihre Jungfernfahrt. Damals noch mit einer Dampflok vorneweg. Gebaut wurde sie ursprünglich, um die üppige Orangenernte aus dem fruchtbaren Tal von Sóller in die mallorquinische Hauptstadt zu transportieren. Die Strecke durch das Tramuntanagebirge brachte eine erhebliche Zeitersparnis gegenüber den mühseligen Esels-Transporten oder der Verladung per Schiff. Aus dieser ursprünglichen Zweckbestimmung stammt die noch hin und wieder verwendete Bezeichnung "Orangenexpress".


Gepflegtes, historisches Flair

Um die unwegsame Strecke möglichst sicher und komfortabel bewältigen zu können, wurde der Tren de Sóller mit einer Spurbreite von nur drei englischen Fuß – das sind 914 Millimeter – gebaut. Nachdem sich in den Folgejahren immer mehr Passagiere über die unangenehme Rauchbelästigung, vor allem in den Tunneln, beschwerten, wurde der Tren de Sóller 1927 schließlich elektrifiziert. Alles andere atmet bis heute das (gepflegte) Flair der Geschichte. Steigen Sie ein in die altehrwürdigen Waggons, nehmen Sie Platz auf historischen Holzbänken oder sichern Sie sich einen der bequemen Ledersessel. Schieben Sie die Fensterscheibe beiseite und genießen Sie die vorbeiziehende Landschaft Mallorcas.


400 Höhenmeter, 13 Tunnel, ungezählte Kurven

Der Tren de Sóller startet in Palma an der Placa d'Espanya an einem winzigen separaten Bahnhof. Die Eisenbahn überwindet auf der folgenden Strecke gute 400 Höhenmeter, durchquert 13 Tunnel, passiert viele schmale Brücken und kreuzt den 52 Meter langen Viadukt Cinc Ponts. Wenn sie mögen, können Sie die zahlreichen, engen Kurven einmal zählen. Der Tren de Sóller verlässt zunächst sehr gemächlich Palma, wodurch Sie einen ungetrübten Blick auf bislang unbekannte Gässchen und Winkel in den Vororten haben. Über die Serra de Alfàbia steuert die Bahn zunächst Bunyola an. Am höchsten Punkt der Strecke, inmitten der Bergwelt, hält der Tren de Sóller für zehn Minuten – perfekt für ein Fotoshooting in der paradiesischen Landschaft.


Der Zauber natürlicher Schönheit

Schauen Sie allerdings, dass Sie bis dahin nicht schon zu viel Akku verbraucht haben: für die prächtigen Olivenhaine, die duftenden Mandelplantagen und die in Armlänge Entfernung vorbeiziehenden Orangenbäume. Die Eindrücke sind zu jeder Jahreszeit überwältigend, Ende Januar erreichen sie zur Orangen- und Mandelblüte aber eine ganz besondere Faszination. Entdecken Sie in der malerischen, wie unberührt anmutenden Bergwelt den Zauber natürlicher Schönheit. Und gewinnen Sie jene ganz spezielle Gelassenheit, die für die einheimischen Bewohner dieser Insel so charakteristisch ist.


Nostalgisch weiter bis Port de Sóller

Nach gut 40 Minuten erreicht der Tren de Sóller schließlich Sóller. Prinzipiell haben Sie nun zwei Möglichkeiten: Sie können ein wenig durch Sóller flanieren und dann wieder zurückfahren. Oder Sie verlängern Ihre nostalgische Eisenbahnfahrt noch ein wenig und fahren mit der gleichaltrigen Tramvia de Sóller nach Port de Sóller. Die historische Straßenbahn fährt ab Bahnhofsvorplatz quer durch die City, passiert dann ausgedehnte Zitronenhaine und üppige Landschaften bis sie direkt die Hafenmole von Port de Sóller erreicht. Dass diese Straßenbahn überhaupt existiert, hat etwas mit einem spanischen Gesetz und der Findigkeit der Mallorquiner zu tun. Seinerzeit enthielt das Gesetz zum Bau von Kleinbahnen eine Klausel, der zufolge Eisenbahnstrecken nur dann Subventionen gewährt werden konnten, wenn sie mindestens 30 Kilometer lang waren. Da die Strecke für den Tren de Sóller von Palma nach Sóller nur 27 Kilometer zusammenbrachte, wurde die Straßenbahn als offizielle Verlängerung der Eisenbahnlinie gleich mitgebaut, um die besagen 30 Kilometer "vollzumachen".


Fahrplan im Internet

Der Tren de Sóller verkehrt von April bis Oktober fünfmal täglich ab Palma und Sóller. In den Monaten November bis März werden nur vier Fahrten täglich angeboten. Die genauen Abfahrtzeiten können Sie auf der Website www.trendesoller.com nachlesen. Der Fahrpreis beträgt für die Hin- und Rückfahrt 25,00 Euro. Bitte beachten Sie, dass bevorzugt in den Wintermonaten Reparaturarbeiten an den Waggons und den Gleisen ausgeführt werden, sodass es zu Einschränkungen oder Zugausfällen kommen kann.

Noch ein Tipp: "Der rote Blitz" erfreut sich großer Beliebtheit bei Touristen. Es empfiehlt sich daher, sehr pünktlich an der Abfahrtstation einzutreffen, um noch einen Sitzplatz zu erhaschen. Generell werden die Züge des Tren de Sóller am Vormittag stärker frequentiert. Die Nachmittagszüge sind zumeist recht leer. Da können Sie sich in aller Ruhe den besten Platz aussuchen, um ganz entspannt die fantastische Landschaft zu genießen.

 

Titelbild: Copyright @ pixabay/ramonrullan

Tren de Sóller – der rote Blitz

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