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Castell de Capdepera - Das beeindruckende Kulturdenkmal Mallorcas

16.07.2019 | Leben auf Mallorca
Castell de Capdepera

Castell de Capdepera

Im Nordosten der Insel befindet sich ein besonderes Highlight Mallorcas. Das Castell de Capdepera ist eines der geschichtsträchtigsten Sehenswürdigkeiten.


Im Nordosten von Mallorca befindet sich mit dem Castell de Capdepera eine der faszinierendsten Sehenswürdigkeiten der Insel. Die Anlage, die einst vom Militärgouverneur als Residenz genutzt wurde und sich auf einem Berg erhebt, bietet einen herrlichen Ausblick auf den Kanal von Menorca, die Küstenlinie sowie das Landesinnere.

Mittelalterliche Burg in gutem Zustand erhalten

Das Castell de Capdepera steht für eine der am besten erhaltenen Festungsanlagen der Baleareninsel. Die kulturhistorische Anlage, welche weit über dem Hügelstädtchen Capdepera hinaufragt, wurde oberhalb der Ortschaft erbaut und erstreckt sich über den Südhang des Hügels. Südlich grenzen Kasernen aus dem 18. Jahrhundert sowie die gut erhaltene Residenz des Militärgouverneurs an die Festung. Im Eingangsbereich befindet sich ein imposanter Verteidigungsturm, wobei das Portal aus dem 16. Jahrhundert stammt. Die Festungsmauern sind vom kleineren Verteidigungsturm aus im Ganzen begehbar. Einst befanden sich innerhalb der Anlage auch die Wohnhäuser der Siedler, die jedoch später abgerissen wurden. Konkret zählte man im Inneren der Wehranlage im 15. und 16. Jahrhundert noch rund 130 Häuser, die von Teilen der Bevölkerung errichtet wurden.

Was Besucher im Inneren der Burg erwartet

Im Inneren weist das Castell de Capdepera eine gotische Marienstatue sowie die Kapelle Nuestra Señora de la Esperanza auf, welche einst dem Heiligen Petrus gewidmet wurde. Einer Legende zufolge wurde die Madonna von Bewohnern auf den Wachturm getragen, um sie so vor Piraten zu schützen. Den Namen "Esperanza" trägt die Madonna deshalb, weil die Piraten aufgrund eines plötzlich aufsteigenden, dichten Nebels zur Umkehr gezwungen wurden. Darüber hinaus ist in der Kapelle eine Statue von Jesus Christus anzutreffen, die aus Orangenholz gefertigt wurde und die im 14. Jahrhundert entstanden sein soll. Das ursprünglich zum Zwecke der Verteidigung erbaute Dach dient heute als Aussichtsterrasse. Von hier aus bietet sich dem Besucher ein faszinierender Blick hinaus auf das Meer und den Cales de Capdepera, zu denen insbesondere die Cala Mesquida sowie die Strände der Ferienorte Sa Cala, Canyamel, Cala Agulla sowie Cala Ratjada zählen.

Von der Herrschaft der Araber bis zur beliebten Touristenattraktion

Auf dem Hügel siedelten schon die alten Römer sowie später auch die Araber. Als die Insel durch die Christen zurückerobert wurde, konnte das Castell de Capdepera von den Mauren mit am längsten gehalten werden, ehe sie sich schließlich endgültig geschlagen geben mussten. Am 17. Juni 1231 unterzeichnete der maurische Herrscher Abu'Abd Allah die Kapitulation der Araber. Es war anschließend der katholische König Jaime II., der die Anlage zum Schutz der Bewohner ausbauen ließ. Errichtet wurden die Mauern des Castell de Capdepera allerdings erst im Jahr 1300. Grund hierfür waren die feindlichen Angriffe vom Meer, kam es sogar bis ins Jahr 1800 immer wieder zu Überfällen durch Piraten. Ein auf Kettenreaktion basierendes Warnsystem machte die Bevölkerung rechtzeitig auf Gefahren aufmerksam. Hierbei wurde ein Signalfeuer in den entlang den Küsten Mallorcas gelegenen Wachtürmen entfacht. Dadurch konnten sich die Bauern zumeist rechtzeitig hinter den Festungsmauern verschanzen. Nachdem lange Zeit die Dragoner-Soldaten das Castell de Capdepera bewacht hatten, wurde das Burggelände 1862 zugunsten zweier Familien versteigert. Seit dem 16. Mai 1983 befindet sich die Anlage in öffentlicher Hand.

Im Castell de Capdepera erwacht das Mittelalter

Kostenfrei zugänglich ist das Castell de Capdepera am dritten Wochenende im Mai. Denn dann lässt das Städtchen das Mittelalter wieder auferstehen. Freuen dürfen sich die Besucher auf zahlreiche Attraktionen, zu denen vor allem die Showeinlagen von Musikern, Schlangenbeschwörern, Gauklern und Schaustellern gehören. Live-Musik, Aufführungen und Konzerte finden ebenfalls statt. In der Festung sowie den umliegenden Gassen präsentieren sich zudem zahlreiche Marktstände, die von Korbflechtern, Weberinnen und Schmieden eröffnet werden. Dem Motto der Veranstaltung passen sich auch die Verkäufer an, weshalb diese in mittelalterlich anmutenden Gewändern gehüllt sind. Kostenlose Sonderbusse fahren über das gesamte Wochenende verstärkt in die anliegenden Küstenorte Canyamel, Font de Sa Cala, Cala Mesquida sowie Cala Ratjada.

Finanzierung und Öffnungszeiten der Festung

Um die Pflege der alten Gemäuer sicherzustellen, verpflichtete sich die Gemeinde im Zuge des Eigentumsübergangs zur Gründung einer Stiftung. Obwohl diese ihr Arbeit ohne Startkapital aufnahm, verfügte sie dank zahlreicher Spenden innerhalb kürzester Zeit über einen nennenswerten Betrag. Seit 1988 tragen zudem die Eintrittsgelder auswärtiger Besucher dazu bei, dass das Kapital schnell ansteigen konnte. Mit dem Geld ließen die Behörden die Kapellenfassade erneuern, die Mauern restaurieren und die Beleuchtung installieren. Die Arbeiten trugen dazu bei, dass das Castell de Capdepera im Jahr 1993 zum schützenswerten Kulturgut (BIC) erklärt wurde, dem somit als Kulturerbe ein größtmöglicher Schutz zusteht. Noch heute finden hier regelmäßig Ausgrabungen statt. Besucht werden kann das Castell de Capdepera das ganze Jahr über zwischen 9 und 20 Uhr. In der Zeit vom 15. Oktober bis zum 15. März schließt die Festung ihre Pforten bereits um 17 Uhr.

Anfahrt zum Castell de Capdepera

Erreicht werden kann das Castell de Capdepera direkt mit dem Auto, wobei die Parkplätze vor Ort begrenzt sind. Deshalb empfiehlt es sich, das Fahrzeug in der Innenstadt nahe der Placa Espana abzustellen und zu Fuß die insgesamt 147 Treppenstufen zu besteigen.

 

Titelbild: copyright @ pixabay / _nini_

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